Die kurze Antwort
Seit Januar 2022 gelten EU weit strengere Grenzwerte für Stoffe in Tätowier und Permanent Make-up Farben nach der Chemikalienverordnung REACH. Verwendet werden dürfen Produkte, die diese Vorgaben einhalten und entsprechend gekennzeichnet sind. Fragen Sie im Studio ruhig nach Marke, Produkt und EU Konformität.
Bei Permanent Make-up wird viel über Form, Farbe und Haltbarkeit gesprochen. Eine Frage wird deutlich seltener gestellt: Was kommt eigentlich in meine Haut?
Dabei ist genau dieser Punkt für Kundinnen schwer selbst zu beurteilen. Sie sehen die Flasche, aber nicht automatisch, welche Stoffe enthalten sind, welche Grenzwerte gelten oder ob das Produkt den aktuellen Anforderungen entspricht.
Seit 2022 gibt es dafür in der Europäischen Union einen einheitlicheren Rahmen.
Was sich seit Januar 2022 geändert hat
Am 4. Januar 2022 trat eine EU weite Beschränkung für Stoffe in Tätowierfarben und Permanent Make-up Pigmenten in Kraft.
Die rechtliche Grundlage ist die Chemikalienverordnung REACH. Die Vorgaben stehen in Anhang siebzehn.
Dabei geht es nicht darum, einzelne Marken pauschal zu erlauben oder zu verbieten. Geregelt werden Grenzwerte für zahlreiche Stoffe, die in solchen Farben enthalten sein können.
Dazu gehören bestimmte Azofarbstoffe, aromatische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetallverunreinigungen und einige Konservierungsstoffe.
Überschreitet ein Produkt die festgelegten Grenzwerte, darf es für diesen Zweck in der EU nicht entsprechend in Verkehr gebracht werden.
Für zwei Pigmente gab es eine längere Übergangszeit
Für zwei häufig verwendete Pigmente wurde eine verlängerte Übergangsfrist eingeräumt.
Dabei handelt es sich um Blau 15:3 und Grün 7.
Für diese beiden galt die Beschränkung erst ab Januar 2023.
Das war besonders für Bereiche relevant, in denen kräftige oder leuchtende Farben gebraucht werden. Beim klassischen Permanent Make-up arbeitet man dagegen überwiegend mit Braun, Grau und Schwarz für Augenbrauen und Lidstrich.
Die Auswirkungen auf diese Farbbereiche waren deshalb geringer als bei vielen bunten Tätowierungen.
Was "EU konform" praktisch bedeutet
Für Sie als Kundin ist vor allem wichtig, dass das verwendete Produkt die geltenden Vorgaben einhält und entsprechend gekennzeichnet ist.
Hersteller haben ihre Rezepturen an die neuen Anforderungen angepasst und führen entsprechende Produktlinien.
Sie müssen dafür keine chemische Ausbildung haben und auch keine Inhaltsstofflisten auswendig lernen.
Sie dürfen aber nachfragen.
- Welche Marke wird verwendet?
- Welches konkrete Produkt wird verwendet?
- Entspricht die Farbe den aktuellen EU Vorgaben?
- Gibt es dazu ein Sicherheitsdatenblatt?
Ein Studio sollte solche grundlegenden Fragen nachvollziehbar beantworten können.
Strengere Regeln bedeuten nicht individuelle Garantie
Ein wichtiger Unterschied geht in Diskussionen schnell verloren.
Wenn ein Pigment die gesetzlichen Grenzwerte einhält, bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Mensch es garantiert verträgt.
Die Regelung betrifft Inhaltsstoffe und deren zulässige Mengen. Eine individuelle allergische Reaktion auf einen grundsätzlich zulässigen Bestandteil kann dadurch nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Das ist bei Permanent Make-up nicht anders als bei anderen Kosmetikprodukten.
Deshalb gehört neben der Auswahl geeigneter Pigmente auch ein ehrliches Vorgespräch dazu, besonders wenn Sie bereits bekannte Allergien oder frühere Reaktionen auf Pigmentierungen haben.
Warum die Dokumentation später wichtig sein kann
Fragen Sie nach dem verwendeten Produkt und der Charge und bewahren Sie diese Informationen auf.
Das wirkt zunächst übertrieben, solange alles problemlos verheilt. Relevant wird es erst, falls Jahre später eine ungewöhnliche Hautreaktion auftritt.
Dann ist es hilfreich, nachvollziehen zu können, wann pigmentiert wurde und welches Produkt beziehungsweise welche Charge verwendet wurde.
Gerade bei älteren Pigmentierungen wissen viele Kundinnen diese Details nicht mehr.
Für eine ärztliche Beurteilung ist konkrete Dokumentation deutlich hilfreicher als die Erinnerung an eine Farbe oder einen Markennamen aus mehreren Jahren Entfernung.
Welche Warnsignale Sie schon vor der Behandlung sehen können
Sie müssen keine Chemikerin sein, um einfache Fragen zu stellen.
Wenn niemand sagen kann, welche Marke oder welches Produkt verwendet wird, wäre ich vorsichtig.
Dasselbe gilt, wenn die Herkunft einer Farbe unklar bleibt oder auf Fragen zur EU Konformität nur ausgewichen wird.
Auch ungewöhnlich günstige Angebote sollten nicht automatisch als Problem gelten, aber sie sind ein guter Anlass, genauer nachzufragen, was tatsächlich verwendet wird.
Beim Permanent Make-up geht es schließlich um Stoffe, die nicht nur oberflächlich aufgetragen, sondern in die Haut eingebracht werden.
Was die neuen Regeln nicht über Haltbarkeit sagen
Nach der Umstellung wurde viel darüber gesprochen, ob neue konforme Pigmente schneller verblassen.
Belastbare Vergleichsdaten dazu nennt die vorliegende Faktenbasis nicht. Deshalb würde ich daraus keine pauschale Aussage ableiten.
Die Haltbarkeit von Permanent Make-up war ohnehin nie bei jeder Kundin identisch.
Hauttyp, Stoffwechsel, Sonne, Medikamente, Pflegeprodukte und die Arbeitstiefe beeinflussen, wie schnell Pigment sichtbar abgebaut wird.
Genau deshalb nenne ich keine garantierte Haltbarkeit in Jahren.
Ein regelkonformes Pigment beantwortet also die Frage nach den zulässigen Inhaltsstoffen. Es beantwortet nicht automatisch die Frage, wie lange das Ergebnis bei Ihnen persönlich sichtbar bleibt.
Hygiene bleibt genauso wichtig wie das Pigment
Die Konzentration auf Inhaltsstoffe darf einen zweiten Punkt nicht verdecken: sauberes Arbeiten.
Achten Sie darauf, dass Nadelmodule oder Kanülen aus sterilen Einzelverpackungen kommen. Farbe sollte in Einmalbehälter abgefüllt werden. Handschuhe müssen gewechselt werden, wenn zwischenzeitlich andere Gegenstände berührt werden. Arbeitsflächen sollten frisch abgedeckt sein.
Diese Dinge können Sie direkt sehen.
Ein hochwertiges, konformes Pigment ersetzt keine Hygiene. Umgekehrt macht sauberes Arbeiten ein ungeeignetes Produkt nicht akzeptabel.
Beides gehört zusammen.
Was mit Permanent Make-up von vor 2022 ist
Wenn Ihre Pigmentierung vor 2022 gemacht wurde, bedeutet die heutige Regelung nicht automatisch, dass Sie sich Sorgen machen müssen.
Damals galten andere Vorgaben.
Solange die pigmentierte Haut unauffällig ist und keine Beschwerden verursacht, besteht allein wegen des Alters der Pigmentierung kein Anlass, etwas entfernen zu lassen.
Relevant wird die Vorgeschichte, wenn Beschwerden auftreten oder eine Überarbeitung geplant wird.
Dann helfen Informationen über Zeitpunkt, verwendetes Produkt und frühere Reaktionen bei der Einschätzung.
Wann eine medizinische Einschätzung wichtig wird
Eine gesetzlich konforme Farbe ersetzt keine medizinische Beurteilung bei auffälligen Hautreaktionen.
Wenn eine pigmentierte Stelle dauerhaft juckt, sich verdickt, wiederholt anschwillt oder Knötchen entstehen, gehört das nicht in eine kosmetische Ferndiagnose.
Dann sollte die Haut in einer Hautarztpraxis beurteilt werden.
Dasselbe gilt vor einer neuen Pigmentierung, wenn bereits bekannte Kontaktallergien, frühere Reaktionen auf Tätowierungen oder Hauterkrankungen im Behandlungsbereich bestehen.
Welche Fragen Sie vor Ihrem Termin stellen können
Sie brauchen für Ihre Entscheidung keine Liste mit hunderten chemischen Stoffen.
Ein paar konkrete Fragen reichen:
- Welche Pigmentmarke verwenden Sie?
- Entsprechen die verwendeten Farben den aktuellen EU Vorgaben?
- Gibt es ein Sicherheitsdatenblatt?
- Welches Produkt und welche Charge wurden bei mir verwendet?
Die letzte Information sollten Sie anschließend aufbewahren.
Im Vorgespräch können außerdem bekannte Allergien, frühere Reaktionen auf Tätowierungen sowie Unverträglichkeiten gegen Metalle oder Kosmetikinhaltsstoffe angesprochen werden.
Für Neukundinnen steht dafür auch die kostenlose Hautanalyse zur Verfügung.
Die EU Regeln schaffen also einen wichtigeren gemeinsamen Rahmen. Ihre persönliche Sicherheit entsteht trotzdem aus mehreren Teilen gleichzeitig: einem konformen Produkt, sauberer Hygiene, nachvollziehbarer Dokumentation und einer ehrlichen Einschätzung Ihrer individuellen Haut.
Wann das in ärztliche Hände gehört
Bei bekannten Allergien, früheren Reaktionen auf Tätowierungen oder Hauterkrankungen im Behandlungsbereich sollte vor der Pigmentierung eine Hautarztpraxis eingeschaltet werden. Auch anhaltender Juckreiz, Verdickungen, Schwellungen oder Knötchen an bestehendem Permanent Make-up gehören ärztlich abgeklärt.