Eignung und Sicherheit

    Welche Pigmente sind für Permanent Make-up in der EU überhaupt noch erlaubt?

    Die kurze Antwort

    Seit Januar 2022 gelten EU weit strengere Grenzwerte für Stoffe in Tätowier und Permanent Make-up Farben nach der Chemikalienverordnung REACH. Verwendet werden dürfen Produkte, die diese Vorgaben einhalten und entsprechend gekennzeichnet sind. Fragen Sie im Studio ruhig nach Marke, Produkt und EU Konformität.

    14. September 2026Antwort von Christine Dohanetz

    Bei Permanent Make-up wird viel über Form, Farbe und Haltbarkeit gesprochen. Eine Frage wird deutlich seltener gestellt: Was kommt eigentlich in meine Haut?

    Dabei ist genau dieser Punkt für Kundinnen schwer selbst zu beurteilen. Sie sehen die Flasche, aber nicht automatisch, welche Stoffe enthalten sind, welche Grenzwerte gelten oder ob das Produkt den aktuellen Anforderungen entspricht.

    Seit 2022 gibt es dafür in der Europäischen Union einen einheitlicheren Rahmen.

    Was sich seit Januar 2022 geändert hat

    Am 4. Januar 2022 trat eine EU weite Beschränkung für Stoffe in Tätowierfarben und Permanent Make-up Pigmenten in Kraft.

    Die rechtliche Grundlage ist die Chemikalienverordnung REACH. Die Vorgaben stehen in Anhang siebzehn.

    Dabei geht es nicht darum, einzelne Marken pauschal zu erlauben oder zu verbieten. Geregelt werden Grenzwerte für zahlreiche Stoffe, die in solchen Farben enthalten sein können.

    Dazu gehören bestimmte Azofarbstoffe, aromatische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetallverunreinigungen und einige Konservierungsstoffe.

    Überschreitet ein Produkt die festgelegten Grenzwerte, darf es für diesen Zweck in der EU nicht entsprechend in Verkehr gebracht werden.

    Für zwei Pigmente gab es eine längere Übergangszeit

    Für zwei häufig verwendete Pigmente wurde eine verlängerte Übergangsfrist eingeräumt.

    Dabei handelt es sich um Blau 15:3 und Grün 7.

    Für diese beiden galt die Beschränkung erst ab Januar 2023.

    Das war besonders für Bereiche relevant, in denen kräftige oder leuchtende Farben gebraucht werden. Beim klassischen Permanent Make-up arbeitet man dagegen überwiegend mit Braun, Grau und Schwarz für Augenbrauen und Lidstrich.

    Die Auswirkungen auf diese Farbbereiche waren deshalb geringer als bei vielen bunten Tätowierungen.

    Was "EU konform" praktisch bedeutet

    Für Sie als Kundin ist vor allem wichtig, dass das verwendete Produkt die geltenden Vorgaben einhält und entsprechend gekennzeichnet ist.

    Hersteller haben ihre Rezepturen an die neuen Anforderungen angepasst und führen entsprechende Produktlinien.

    Sie müssen dafür keine chemische Ausbildung haben und auch keine Inhaltsstofflisten auswendig lernen.

    Sie dürfen aber nachfragen.

    • Welche Marke wird verwendet?
    • Welches konkrete Produkt wird verwendet?
    • Entspricht die Farbe den aktuellen EU Vorgaben?
    • Gibt es dazu ein Sicherheitsdatenblatt?

    Ein Studio sollte solche grundlegenden Fragen nachvollziehbar beantworten können.

    Strengere Regeln bedeuten nicht individuelle Garantie

    Ein wichtiger Unterschied geht in Diskussionen schnell verloren.

    Wenn ein Pigment die gesetzlichen Grenzwerte einhält, bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Mensch es garantiert verträgt.

    Die Regelung betrifft Inhaltsstoffe und deren zulässige Mengen. Eine individuelle allergische Reaktion auf einen grundsätzlich zulässigen Bestandteil kann dadurch nicht vollständig ausgeschlossen werden.

    Das ist bei Permanent Make-up nicht anders als bei anderen Kosmetikprodukten.

    Deshalb gehört neben der Auswahl geeigneter Pigmente auch ein ehrliches Vorgespräch dazu, besonders wenn Sie bereits bekannte Allergien oder frühere Reaktionen auf Pigmentierungen haben.

    Warum die Dokumentation später wichtig sein kann

    Fragen Sie nach dem verwendeten Produkt und der Charge und bewahren Sie diese Informationen auf.

    Das wirkt zunächst übertrieben, solange alles problemlos verheilt. Relevant wird es erst, falls Jahre später eine ungewöhnliche Hautreaktion auftritt.

    Dann ist es hilfreich, nachvollziehen zu können, wann pigmentiert wurde und welches Produkt beziehungsweise welche Charge verwendet wurde.

    Gerade bei älteren Pigmentierungen wissen viele Kundinnen diese Details nicht mehr.

    Für eine ärztliche Beurteilung ist konkrete Dokumentation deutlich hilfreicher als die Erinnerung an eine Farbe oder einen Markennamen aus mehreren Jahren Entfernung.

    Welche Warnsignale Sie schon vor der Behandlung sehen können

    Sie müssen keine Chemikerin sein, um einfache Fragen zu stellen.

    Wenn niemand sagen kann, welche Marke oder welches Produkt verwendet wird, wäre ich vorsichtig.

    Dasselbe gilt, wenn die Herkunft einer Farbe unklar bleibt oder auf Fragen zur EU Konformität nur ausgewichen wird.

    Auch ungewöhnlich günstige Angebote sollten nicht automatisch als Problem gelten, aber sie sind ein guter Anlass, genauer nachzufragen, was tatsächlich verwendet wird.

    Beim Permanent Make-up geht es schließlich um Stoffe, die nicht nur oberflächlich aufgetragen, sondern in die Haut eingebracht werden.

    Was die neuen Regeln nicht über Haltbarkeit sagen

    Nach der Umstellung wurde viel darüber gesprochen, ob neue konforme Pigmente schneller verblassen.

    Belastbare Vergleichsdaten dazu nennt die vorliegende Faktenbasis nicht. Deshalb würde ich daraus keine pauschale Aussage ableiten.

    Die Haltbarkeit von Permanent Make-up war ohnehin nie bei jeder Kundin identisch.

    Hauttyp, Stoffwechsel, Sonne, Medikamente, Pflegeprodukte und die Arbeitstiefe beeinflussen, wie schnell Pigment sichtbar abgebaut wird.

    Genau deshalb nenne ich keine garantierte Haltbarkeit in Jahren.

    Ein regelkonformes Pigment beantwortet also die Frage nach den zulässigen Inhaltsstoffen. Es beantwortet nicht automatisch die Frage, wie lange das Ergebnis bei Ihnen persönlich sichtbar bleibt.

    Hygiene bleibt genauso wichtig wie das Pigment

    Die Konzentration auf Inhaltsstoffe darf einen zweiten Punkt nicht verdecken: sauberes Arbeiten.

    Achten Sie darauf, dass Nadelmodule oder Kanülen aus sterilen Einzelverpackungen kommen. Farbe sollte in Einmalbehälter abgefüllt werden. Handschuhe müssen gewechselt werden, wenn zwischenzeitlich andere Gegenstände berührt werden. Arbeitsflächen sollten frisch abgedeckt sein.

    Diese Dinge können Sie direkt sehen.

    Ein hochwertiges, konformes Pigment ersetzt keine Hygiene. Umgekehrt macht sauberes Arbeiten ein ungeeignetes Produkt nicht akzeptabel.

    Beides gehört zusammen.

    Was mit Permanent Make-up von vor 2022 ist

    Wenn Ihre Pigmentierung vor 2022 gemacht wurde, bedeutet die heutige Regelung nicht automatisch, dass Sie sich Sorgen machen müssen.

    Damals galten andere Vorgaben.

    Solange die pigmentierte Haut unauffällig ist und keine Beschwerden verursacht, besteht allein wegen des Alters der Pigmentierung kein Anlass, etwas entfernen zu lassen.

    Relevant wird die Vorgeschichte, wenn Beschwerden auftreten oder eine Überarbeitung geplant wird.

    Dann helfen Informationen über Zeitpunkt, verwendetes Produkt und frühere Reaktionen bei der Einschätzung.

    Wann eine medizinische Einschätzung wichtig wird

    Eine gesetzlich konforme Farbe ersetzt keine medizinische Beurteilung bei auffälligen Hautreaktionen.

    Wenn eine pigmentierte Stelle dauerhaft juckt, sich verdickt, wiederholt anschwillt oder Knötchen entstehen, gehört das nicht in eine kosmetische Ferndiagnose.

    Dann sollte die Haut in einer Hautarztpraxis beurteilt werden.

    Dasselbe gilt vor einer neuen Pigmentierung, wenn bereits bekannte Kontaktallergien, frühere Reaktionen auf Tätowierungen oder Hauterkrankungen im Behandlungsbereich bestehen.

    Welche Fragen Sie vor Ihrem Termin stellen können

    Sie brauchen für Ihre Entscheidung keine Liste mit hunderten chemischen Stoffen.

    Ein paar konkrete Fragen reichen:

    • Welche Pigmentmarke verwenden Sie?
    • Entsprechen die verwendeten Farben den aktuellen EU Vorgaben?
    • Gibt es ein Sicherheitsdatenblatt?
    • Welches Produkt und welche Charge wurden bei mir verwendet?

    Die letzte Information sollten Sie anschließend aufbewahren.

    Im Vorgespräch können außerdem bekannte Allergien, frühere Reaktionen auf Tätowierungen sowie Unverträglichkeiten gegen Metalle oder Kosmetikinhaltsstoffe angesprochen werden.

    Für Neukundinnen steht dafür auch die kostenlose Hautanalyse zur Verfügung.

    Die EU Regeln schaffen also einen wichtigeren gemeinsamen Rahmen. Ihre persönliche Sicherheit entsteht trotzdem aus mehreren Teilen gleichzeitig: einem konformen Produkt, sauberer Hygiene, nachvollziehbarer Dokumentation und einer ehrlichen Einschätzung Ihrer individuellen Haut.

    Wann das in ärztliche Hände gehört

    Bei bekannten Allergien, früheren Reaktionen auf Tätowierungen oder Hauterkrankungen im Behandlungsbereich sollte vor der Pigmentierung eine Hautarztpraxis eingeschaltet werden. Auch anhaltender Juckreiz, Verdickungen, Schwellungen oder Knötchen an bestehendem Permanent Make-up gehören ärztlich abgeklärt.

    Was Kundinnen dazu noch fragen

    Nein, EU konforme Permanent Make-up Farben schließen individuelle Unverträglichkeiten nicht vollständig aus. Die Vorgaben begrenzen bestimmte Inhaltsstoffe und deren Mengen. Eine allergische Reaktion auf einen grundsätzlich zulässigen Stoff kann trotzdem auftreten. Bei bekannten Allergien oder früheren Reaktionen sollte deshalb vor der Pigmentierung ärztlich abgeklärt werden.

    Die EU Regelung und persönliche Verträglichkeit sind zwei verschiedene Dinge. Die Beschränkung legt fest, welche Stoffe nicht oder nur bis zu bestimmten Grenzwerten in Tätowier und Permanent Make-up Farben enthalten sein dürfen. Damit werden Produkte ausgeschlossen, die diese Anforderungen nicht erfüllen. Daraus folgt aber keine Garantie, dass jeder Mensch jedes konforme Pigment problemlos verträgt. Individuelle Allergien können auch gegen zugelassene beziehungsweise innerhalb der Grenzwerte verwendete Stoffe auftreten. Deshalb sind bekannte Kontaktallergien, frühere Reaktionen auf Tätowierungen oder Pigmentierungen und Hauterkrankungen im Behandlungsbereich wichtige Informationen vor einem Termin. Auch frühere Reaktionen auf Metalle oder Kosmetikinhaltsstoffe sollten im Vorgespräch genannt werden, damit die persönliche Vorgeschichte vollständig berücksichtigt werden kann. Bei konkreten Hinweisen auf eine Unverträglichkeit gehört die Einschätzung in eine Hautarztpraxis. Die gesetzlichen Vorgaben bilden also den Rahmen dafür, welche Produkte verwendet werden dürfen. Sie ersetzen aber keine individuelle Beurteilung Ihrer Haut. Das persönliche Vorgespräch und gegebenenfalls eine medizinische Abklärung bleiben deshalb auch bei EU konformen Pigmenten wichtig.

    Nein, eine ältere Pigmentierung ist allein wegen ihres Alters kein Grund zur Sorge oder Entfernung. Vor 2022 galten andere Vorgaben. Relevant wird das Thema bei Beschwerden wie anhaltendem Juckreiz, Verdickungen, Knötchen oder wiederkehrenden Schwellungen. Dann sollte die pigmentierte Haut ärztlich beurteilt werden.

    Die seit 2022 geltenden Beschränkungen betreffen die Verwendung beziehungsweise das Inverkehrbringen entsprechender Farben. Sie bedeuten nicht, dass jede ältere Pigmentierung plötzlich problematisch ist. Wenn Ihr altes Permanent Make-up seit Jahren unauffällig ist und keinerlei Beschwerden verursacht, ergibt sich aus dem Zeitpunkt allein kein Grund, es entfernen zu lassen. Anders sieht es aus, wenn die Haut reagiert. Anhaltender Juckreiz, Verdickungen, tastbare Knötchen oder wiederkehrende Rötungen und Schwellungen gehören ärztlich abgeklärt. Solche Beschwerden sind wichtiger als die Frage, in welchem Jahr die Pigmentierung durchgeführt wurde. Hilfreich sind bei einer Abklärung alle Informationen, die Sie noch besitzen: Wann wurde pigmentiert? In welchem Studio? Welches Produkt wurde verwendet? Ist eine Chargennummer bekannt? Genau deshalb ist es sinnvoll, solche Angaben nach zukünftigen Behandlungen aufzubewahren. Wenn Sie altes Permanent Make-up lediglich auffrischen oder überarbeiten möchten und keine Beschwerden bestehen, ist das eine andere Frage. Dann wird anhand des vorhandenen Pigments beurteilt, welche weitere Pigmentierung sinnvoll möglich ist.

    Eine feste Haltbarkeit in Jahren lässt sich nicht seriös garantieren, weil der Pigmentabbau individuell verläuft. Hauttyp, Stoffwechsel, Sonne, Medikamente, Pflegeprodukte und Arbeitstiefe wirken gleichzeitig darauf ein. Deshalb wird eine Auffrischung besser am tatsächlichen Zustand der Pigmentierung als an einer versprochenen Jahreszahl geplant.

    Permanent Make-up verändert sich mit der Zeit, weil Pigmentpartikel im Körper nach und nach abgebaut werden. Wie schnell das passiert, lässt sich nicht für jede Kundin gleich vorhersagen. Fettige oder großporige Haut kann Pigment schneller abgeben als trockene Haut. Auch Stoffwechsel und Sonne beeinflussen den Abbau. Pflegeprodukte mit Fruchtsäure oder Retinol können die oberste Hautschicht schneller erneuern. Medikamente und die Tiefe der ursprünglichen Pigmentierung spielen ebenfalls eine Rolle. Darum wäre eine feste Haltbarkeitsgarantie in Jahren ein Versprechen, das diese Unterschiede ignoriert. Sinnvoller ist es, das sichtbare Ergebnis zu beurteilen und eine Auffrischung dann einzuplanen, wenn sie tatsächlich nötig wird. Zur preislichen Orientierung kostet eine Auffrischung innerhalb eines Jahres bei mir ab 180 Euro und innerhalb von zwei Jahren ab 250 Euro. Diese Preise sagen jedoch nichts darüber aus, wann Ihre Haut persönlich eine Auffrischung brauchen wird.

    Ein Allergietest ist nicht für jede Kundin automatisch nötig. Bei bekannten Kontaktallergien, früheren Reaktionen auf Tätowierungen oder Hautproblemen im Behandlungsbereich ist eine hautärztliche Einschätzung sinnvoll. Ein negatives Testergebnis kann eine spätere Reaktion nicht sicher ausschließen, deshalb bleibt das Vorgespräch wichtig.

    Ein Hauttest kann bei konkreten Hinweisen auf eine Allergie sinnvoll sein, ersetzt aber keine sorgfältige Vorgeschichte. Ein klassischer Test in der Hautarztpraxis wird auf der Hautoberfläche durchgeführt. Pigmente werden beim Permanent Make-up dagegen in die Haut eingebracht. Deshalb kann ein negatives Ergebnis nicht garantieren, dass später keinerlei Reaktion auftritt. Besonders sinnvoll ist eine ärztliche Einschätzung, wenn Sie bereits bekannte Kontaktallergien haben, auf Modeschmuck oder Haarfarben reagieren, nach früheren Tätowierungen Beschwerden hatten oder im geplanten Behandlungsbereich eine Hauterkrankung besteht. Auch frühere Reaktionen auf Pigmentierungen sollten dabei vollständig genannt werden. In solchen Zweifelsfällen gehört die Beurteilung in eine Hautarztpraxis. Im Vorgespräch sollten außerdem Erkrankungen, Medikamente, Blutverdünner, Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel offen angesprochen werden. Diese Informationen gehören zur Einschätzung genauso wie die Frage nach bekannten Allergien. Der Test kann also Teil einer Abklärung sein. Er ist aber kein Ersatz für die Frage, wie Ihre Haut bisher auf vergleichbare Stoffe und Behandlungen reagiert hat.