Die kurze Antwort
Ja, das kann zum normalen Heilverlauf nach dem Microblading gehören. Mit dem feinen Silberhäutchen lösen sich Pigmentreste aus der obersten Hautschicht, rund dreißig Prozent Farbverlust sind eingeplant. Erst nach etwa vier Wochen zeigt sich der endgültige Farbton. Blasse oder fleckige Stellen sagen vorher wenig über das Ergebnis aus.
Wenn die Kruste abgeht und die Farbe plötzlich ebenfalls verschwunden scheint, kann der Blick in den Spiegel erschrecken. Gestern waren die Augenbrauen noch deutlich zu sehen, heute wirken einzelne Stellen blass, fleckig oder fast leer. Gerade wenn Sie Geld für die Behandlung ausgegeben haben, liegt der Gedanke nahe: War jetzt alles umsonst?
In dieser Phase sehen Sie jedoch noch nicht das fertige Ergebnis. Sie sehen Haut mitten in einem Heilungsverlauf. Genau diese Unterscheidung ist wichtig, bevor Sie einzelne helle Stellen bewerten.
Warum die Farbe zunächst kräftiger aussieht
Beim Microblading zeichne ich feinste Härchen einzeln in die obere Hautschicht. Das Pigment liegt dabei nicht nur auf einer einzigen Ebene. Ein Teil befindet sich tiefer, ein anderer Teil sehr oberflächlich.
Direkt nach der Behandlung wirkt die Farbe deshalb kräftiger als später. Neben dem oberflächlichen Pigment kommt in den ersten Stunden Lymphflüssigkeit an die Oberfläche. Beides zusammen lässt die Brauen zunächst dunkler und klarer erscheinen, als sie nach der Abheilung sein werden.
Das Bild direkt nach dem Termin ist also genauso wenig das endgültige Ergebnis wie das sehr blasse Bild einige Tage später.
Warum beim Ablösen Farbe mitkommt
In den folgenden Tagen bildet sich ein feines Silberhäutchen. Während darunter neue Zellen nachwachsen, schließt sich die Haut.
Wenn sich dieses Häutchen von selbst löst, nimmt es oberflächliches Pigment mit. Rund dreißig Prozent Farbverlust sind in dieser Phase möglich und bei der Farbwahl bereits berücksichtigt.
Deshalb kann der Unterschied innerhalb kurzer Zeit erheblich aussehen. Eine kräftige Härchenzeichnung wird plötzlich heller. Einzelne Bereiche können scheinbar verschwinden, während andere noch deutlich sichtbar sind.
Das allein bedeutet noch nicht, dass an diesen Stellen tatsächlich kein Pigment mehr vorhanden ist.
Farbverlust und Pigmentverlust sind nicht dasselbe
Farbverlust bedeutet in dieser Heilungsphase nicht automatisch, dass das Pigment aus der Haut verschwunden ist. Die frisch verheilte Hautschicht kann wie Milchglas über der Zeichnung liegen. Dadurch erscheint sie matt, blass, gräulich oder ungleichmäßig.
In den folgenden zwei bis drei Wochen wird diese Hautschicht klarer. Dann kann auch die darunterliegende Härchenzeichnung wieder deutlicher hervortreten.
Pigmentverlust bedeutet dagegen, dass an einer Stelle tatsächlich kein Pigment geblieben ist. Ob das der Fall ist, lässt sich in der ersten Woche kaum zuverlässig erkennen.
Beide Zustände können zunächst sehr ähnlich aussehen. Deshalb warte ich mit der Beurteilung, bis die Haut abgeheilt ist.
Warum die Brauen plötzlich fleckig werden
Die Häutchen lösen sich nicht überall gleichzeitig. Ein Bereich kann bereits hell erscheinen, während direkt daneben noch kräftige Farbe sichtbar ist. Dadurch entsteht schnell ein fleckiger Eindruck.
Gerade diese Zwischenphase verleitet dazu, jeden Morgen nach einer vermeintlich neuen Lücke zu suchen. Das hilft bei der Beurteilung allerdings nicht, weil sich das sichtbare Bild während der Heilung weiter verändert.
Nach etwa vier Wochen lässt sich wesentlich besser erkennen, was die Haut tatsächlich behalten hat. Was vorher blass oder ungleichmäßig aussieht, muss also nicht so bleiben.
Bitte ziehen Sie die Häutchen nicht selbst ab
Entscheidend ist, dass das Silberhäutchen von selbst abgehen darf. Kratzen, Reiben oder Abziehen kann Pigment aus der Tiefe mit herauslösen. Dann können tatsächliche Lücken entstehen.
Für die Pflege bekommen Sie von mir einen schriftlichen Pflegeplan und die passende Pflegecreme. In dieser Phase gilt:
- Nicht kratzen, nicht reiben und keine Häutchen abziehen.
- Nur lauwarmes Wasser verwenden, keinen Reinigungsschaum und kein Peeling auf die Brauenpartie geben.
- Kein Make-up auf oder unmittelbar an den Augenbrauen auftragen, solange sich noch etwas löst.
- Sauna, Solarium und direkte starke Sonne meiden, bis die Haut geschlossen ist.
- Die Pflegecreme dünn auftragen.
Die blasseste Phase kann erst danach kommen
Viele Frauen erwarten, dass die Brauen mit jedem Tag gleichmäßiger und deutlicher werden. Der sichtbare Verlauf kann anders aussehen.
In den ersten drei Tagen können die Brauen noch kräftig erscheinen. Zwischen Tag fünf und zehn lösen sich die Häutchen. Danach kann die Zeichnung besonders blass wirken.
Das ist genau der Moment, in dem schnell der Eindruck entsteht, die Farbe sei komplett verschwunden. Trotzdem ist eine abschließende Beurteilung zu diesem Zeitpunkt zu früh.
Die frisch verheilte Haut liegt noch über dem Pigment. Erst wenn sie klarer geworden ist, zeigt sich wieder deutlicher, was darunter geblieben ist.
Wann sich der endgültige Farbton zeigt
Nach dem Ablösen der Häutchen braucht die Haut weitere Zeit. In den folgenden zwei bis drei Wochen wird die neue Hautschicht klarer und die Härchen können wieder deutlicher hervortreten.
Der endgültige Farbton zeigt sich nach etwa vier Wochen. Deshalb beurteile ich ein Microblading nicht anhand des Zustands direkt nach der Behandlung und auch nicht anhand der besonders blassen Zwischenphase.
Wenn Sie also gerade vor dem Spiegel stehen und denken, dass fast nichts mehr zu sehen ist, warten Sie mit dem Urteil über das Ergebnis. Die sichtbare Farbe kann sich während dieser Wochen noch verändern.
Wofür der Kontrolltermin da ist
Der Kontrolltermin findet innerhalb von vier bis sechs Wochen statt. Im Preis von 380 Euro für Microblading ist dieser Termin enthalten, ebenso eine Nachbehandlung bei Bedarf.
Dann kann ich das abgeheilte Ergebnis beurteilen. Ich schaue, wie gleichmäßig die Haut das Pigment angenommen hat, wie sich der Farbton entwickelt hat und ob Stellen offen geblieben sind, an denen nachgearbeitet werden sollte.
Erst zu diesem Zeitpunkt lässt sich sinnvoll zwischen einer vorübergehend blassen Heilungsphase und tatsächlichen fehlenden Pigmentstellen unterscheiden.
Wenn nach der Abheilung wirklich Farbe fehlt, ist genau dieser Termin dafür vorgesehen.
Nicht jede Haut behält gleich viel Pigment
Wie viel Pigment sichtbar bleibt, kann von Haut zu Haut unterschiedlich sein. Fettige und großporige Haut kann Pigment schneller wieder abgeben. Trockene und feine Haut hält häufig mehr.
Auch Stoffwechsel, Durchblutung, Rauchen, Sonne sowie die regelmäßige Verwendung von Fruchtsäure oder Retinol können eine Rolle spielen.
Deshalb können zwei Kundinnen mit derselben Farbe und derselben Technik nach der Abheilung unterschiedliche Ergebnisse haben. Wie Ihre Haut reagiert, lässt sich nicht allein anhand des kräftigen Ergebnisses unmittelbar nach der Behandlung beurteilen.
Wenn Sie Ihre Haut vor einer Pigmentierung nicht einschätzen können, gibt es für Neukundinnen eine kostenlose Hautanalyse.
Wann helle Brauen nicht mehr die eigentliche Frage sind
Blasse, fleckige, milchige oder überraschend helle Brauen können während dieser Heilungsphase auftreten. Anders bewerte ich Beschwerden, die über die Optik hinausgehen.
Wenn Rötung oder Schwellung nach den ersten Tagen zunehmen statt abzunehmen, die Stelle zunehmend schmerzt, Sekret austritt oder Fieber auftritt, sollte nicht bis zum Kontrolltermin gewartet werden. Solche Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.
Ich bin Kosmetikerin und kann medizinische Beschwerden nicht diagnostizieren.
Für die ursprüngliche Frage bleibt deshalb die wichtigste Orientierung: Wenn nach dem Ablösen der Häutchen plötzlich viel weniger Farbe sichtbar ist, bedeutet das allein noch nicht, dass Ihr Microblading verschwunden ist. Geben Sie der Haut Zeit bis zur Abheilung. Erst dann lässt sich beurteilen, was tatsächlich geblieben ist.
Wann das in ärztliche Hände gehört
Nehmen Rötung, Schwellung oder Schmerzen nach den ersten Tagen zu, tritt Sekret oder Eiter aus oder bekommen Sie Fieber, lassen Sie das ärztlich abklären. Ich bin Kosmetikerin und stelle keine medizinischen Diagnosen.