Die kurze Antwort
Ein roter oder oranger Farbstich kann entstehen, wenn kühle Pigmentanteile schneller abgebaut werden als warme. Helfen können eine gezielte Farbneutralisierung oder eine Aufhellung. Einfach denselben Braunton darüber zu pigmentieren kann den Farbstich verstärken. Vor jeder Korrektur sollte das vollständig abgeheilte Ergebnis bei Tageslicht fachlich beurteilt werden.
Wenn Ihre Augenbrauen früher braun aussahen und inzwischen rötlich, kupfern oder orange wirken, fällt das jeden Morgen im Spiegel sofort ins Auge. Besonders unangenehm wird der Unterschied, wenn der warme Ton deutlich von Haarfarbe und Haut abweicht.
Die gute Nachricht ist: Ein solcher Farbstich ist erklärbar und kann in vielen Fällen korrigiert werden. Die schlechte Nachricht ist: Einfach eine neue Schicht Braun darüberzulegen, ist häufig genau der falsche erste Schritt.
Bevor neu pigmentiert wird, muss klar sein, was bereits in der Haut liegt.
Warum braunes Pigment plötzlich rot oder orange wirkt
Ein Brauenpigment besteht nicht aus einer einzigen Farbe. Ein Braunton setzt sich aus verschiedenen warmen und kühlen Farbanteilen zusammen.
Warme Bestandteile bewegen sich in Richtung Gelb und Rot. Kühle Bestandteile gehen eher in Richtung Blau und Grün. Erst das Zusammenspiel dieser Komponenten erzeugt den Braunton, den Sie sehen.
Der Körper baut diese Bestandteile nicht immer gleichmäßig ab. Bei vielen Menschen verschwinden die kühleren und dunkleren Anteile schneller. Zurück bleibt dann ein stärker sichtbarer warmer Rest.
Die Braue wurde also nicht plötzlich orange gefärbt. Der ursprüngliche Braunton hat sich verändert, weil seine Bestandteile unterschiedlich abgebaut wurden.
Mehrere Faktoren beeinflussen die Farbveränderung
Wie schnell oder deutlich sich ein Farbstich entwickelt, hängt nicht nur von einem einzigen Punkt ab.
- Sonne. UV-Strahlung baut Pigment ab. Dabei können die kühlen Anteile schneller verloren gehen.
- Sehr oberflächliche Pigmentierung. Liegt Pigment besonders flach, können Bestandteile schneller verschwinden.
- Stoffwechsel und Durchblutung. Beide beeinflussen, wie schnell Pigmentpartikel abgebaut werden.
- Eisenoxidhaltige Pigmente. Diese können stärker dazu neigen, warm auszuheilen als modernere Mischungen.
- Fruchtsäure und Retinol. Werden solche Produkte regelmäßig auf der Brauenpartie verwendet, können sie den Abbau der obersten Hautschichten beschleunigen.
Darum können zwei Menschen mit ähnlicher Pigmentierung später unterschiedliche Farbentwicklungen sehen.
Warum einfach dunkler darüber zu pigmentieren riskant ist
Wenn eine Braue orange geworden ist, klingt die einfachste Lösung zunächst logisch: dunkleres Braun darüber.
Das Problem ist das vorhandene Pigment.
Es verschwindet nicht, nur weil neues Pigment hinzukommt. Beide Farbschichten wirken optisch zusammen. Ein warmes Braun auf einem bereits rötlichen Untergrund kann deshalb noch wärmer wirken, statt den Stich zu beseitigen.
Zusätzlich steigt mit jeder weiteren Pigmentierung die Menge an Pigment in der Haut. Das kann eine spätere Korrektur schwieriger machen.
Deshalb beginne ich nicht mit der Frage, welche neue Farbe darüberkommt. Zuerst muss der vorhandene Zustand beurteilt werden.
Möglichkeit eins ist die Farbneutralisierung
Bei einer Farbneutralisierung wird mit einem gegenteiligen Unterton gearbeitet.
Gegen einen deutlich roten Stich kommt ein grünlicher Anteil infrage. Gegen Orange wird mit einem bläulichen Anteil gearbeitet. Ziel ist, den vorhandenen warmen Farbton optisch auszugleichen.
Das kann bei leichteren bis mittleren Farbstichen funktionieren, wenn nicht bereits sehr viel Altpigment in der Haut liegt.
Die Dosierung ist entscheidend. Wird zu stark gegengesteuert, kann anschließend ein grauer oder grünlicher Eindruck entstehen. Deshalb reicht es nicht, nur zu wissen, dass Grün gegen Rot steht. Entscheidend ist, wie viel Pigment vorhanden ist, wie stark der Stich ausgeprägt ist und wie die Haut insgesamt aussieht.
Möglichkeit zwei ist zunächst eine Aufhellung
Manchmal ist weiteres Pigment nicht die sinnvollste erste Maßnahme.
Wenn sehr viel Altpigment vorhanden ist, der Farbstich stark ausgeprägt ist oder die vorhandenen Striche bereits verlaufen sind, kann zunächst eine Aufhellung sinnvoll sein. Dabei wird vorhandenes Pigment abgebaut, bevor erneut pigmentiert wird.
Dieser Weg braucht Geduld. Eine Aufhellung kann mehrere Sitzungen mit Pausen dazwischen erfordern. Erst danach lässt sich beurteilen, wie und ob neu aufgebaut werden sollte.
Laserentfernung gehört dabei in spezialisierte Hände.
Mehr zu den grundsätzlichen Möglichkeiten finden Sie unter Entfernen oder Korrigieren von Permanent Make-up.
Ein Handyfoto reicht für die Entscheidung nicht
Fotos können hilfreich sein, aber Farben auf einem Bildschirm täuschen schnell.
Kunstlicht verändert den Farbeindruck. Filter verändern ihn. Auch der automatische Weißabgleich eines Handys kann ein Braun wärmer oder kühler aussehen lassen, als es tatsächlich ist.
Darum sollte ein auffälliger Farbstich am vollständig abgeheilten Ergebnis bei Tageslicht und ohne Make-up beurteilt werden.
Dann lässt sich wesentlich besser einschätzen, ob die Pigmentierung nur etwas warm wirkt oder tatsächlich deutlich ins Rötliche beziehungsweise Orange gekippt ist.
Für die Wahl zwischen Neutralisierung und Aufhellung reicht ein Foto aus meiner Sicht nicht aus.
Nicht jede warme Braue braucht eine Korrektur
Eine leicht warme Augenbrauenfarbe ist nicht automatisch falsch.
Bei manchen Haarfarben und Hauttönen wirkt ein warmes Braun stimmig. Auffällig wird es dort, wo der Ton nicht mehr mit dem restlichen Gesicht zusammenpasst.
Ein kupferner Ton neben aschblondem oder grauem Haar fällt deutlich stärker auf als ein sanft warmes Braun neben braunem Haar.
Deshalb spielt auch Ihre aktuelle Haarfarbe eine Rolle. Wenn Sie planen, Ihre Haare deutlich aufzuhellen oder von Braun zu Grau wechseln möchten, kann sich verändern, welcher Brauenton harmonisch wirkt.
Solche Veränderungen gehören deshalb in die Beratung vor einer neuen Pigmentierung.
Was Sie selbst besser nicht ausprobieren sollten
Bei einem störenden Farbstich ist Zurückhaltung sinnvoller als Aktionismus.
Bleichmittel, aggressive Hausmittel, Aufhellungscremes oder mechanisches Abschleifen gehören nicht auf eine pigmentierte Augenbraue. Die Haut in diesem Bereich ist empfindlich und liegt unmittelbar neben dem Auge.
Sinnvoller sind Fotos bei Tageslicht, möglichst unter denselben Bedingungen und ohne Filter. So lässt sich beobachten, ob und wie sich der Farbton verändert.
Auch Sonnenschutz auf der Brauenpartie ist sinnvoll. Er beseitigt einen vorhandenen Farbstich nicht, kann aber weiteren pigmentbedingten Veränderungen durch Sonne entgegenwirken.
Wie schnell eine Korrektur sichtbar wird
Bei einer reinen Neutralisierung lässt sich das Ergebnis nach der Abheilung beurteilen, also nach etwa vier Wochen.
Wenn zuerst Pigment aufgehellt und später neu aufgebaut werden muss, dauert der gesamte Weg länger. Dann können mehrere Monate vergehen.
Das klingt weniger angenehm als das Versprechen, alles sofort zu überdecken. Es ist aber wichtig, die vorhandene Pigmentmenge zu berücksichtigen und nicht immer mehr Farbe in eine bereits stark pigmentierte Haut zu bringen.
Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, entscheidet sich erst nach der Bestandsaufnahme.
Was bei einer neuen Pigmentierung wichtig ist
Wenn später erneut pigmentiert wird, würde ich drei Punkte vorab klären.
- Welchen Hautunterton haben Sie?
- Wie soll der gewählte Pigmentton nach der Abheilung wirken?
- Wann wird das abgeheilte Ergebnis kontrolliert?
Bei mir gehört der Kontrolltermin innerhalb von vier bis sechs Wochen zum Ablauf. Die regulären Preise für Permanent Make-up enthalten diesen Kontrolltermin.
Der Blick auf die Abheilung ist wichtig, weil eine Farbe direkt nach der Behandlung anders wirkt als später.
Eine rote oder orange Augenbrauen-Pigmentierung lässt sich deshalb nicht sinnvoll korrigieren, indem einfach irgendein Braun darübergelegt wird. Erst ansehen, dann entscheiden. Je nach Ausgangslage kann eine Neutralisierung ausreichen oder zunächst eine Aufhellung der bessere Weg sein.
Wann das in ärztliche Hände gehört
Wenn die pigmentierte Stelle juckt, schuppt, sich verdickt, wiederholt anschwillt oder sich Knötchen bilden, lassen Sie das bitte ärztlich abklären. Solche Reaktionen gehören zur Hautärztin oder zum Hautarzt. Ich bin Kosmetikerin und stelle keine medizinischen Diagnosen.